Indien 2022/23

Allein die Menschenmassen, die zusammen abenteuerlich funktionieren und irgendwie miteinander das Stadtbild prägen, beeindrucken. Dann die Vielen, die so dermaßen wenig besitzen im Kontrast zu jenen, die sooo sehr reich sind und völlig abgehoben vom Rest in ihren ausländischen Autos hinter den großen Mauern ihrer Villen verschwinden, während die Barfussgänger mit nur leichten Flipflops davor hocken und sich lauthals unterhalten, bieten Auge und Ohr einen Kontrast der die Nerven reizt. Oberflächlich gesehen „Incredible India“, aber tiefer geschaut, nicht zum aushalten.

Wir kamen und kaum angekommen gab es einen Cyclone. Es regnete und war so feuchtheiß, mit kalten Winden vom Meer her, so dass mein aus Deutschland mitgebrachter Husten angetrieben und verstärkt wurde.

Kalakshetra , mein altes College, einst ein privates Institut, ist jetzt vom Central Goverment in Delhi betrieben. Was architektonisch geschah ist eine Augenweide und große Freude. Auch das Theater ist top renoviert. Nur die Kunst glich ein wenig der Museumskunst. Motto: Altes erhalten und nichts verändern, obwohl die Bühne etwa vier mal so groß ist wie die ursprüngliche Bühne. Kostüme und Stil, einst legendär in ihrer Ästhetik und Zusammenstellung, sind heute kitschig und grell, es fehlt an jenem auserlesenen Geschmack, für den Rukmini Devi berühmt war. Trotzdem berührt der Inhalt des Kurvanjis: menschliche Seele verliebt sich in Überirdisches und leidet, bis es zur Verschmelzung der Gegensätze ¬¬– sprich Profanem und Sakralem – kommt. Nichts bringt indische Philosophie so klar auf den Punkt, wie eine solche Tanzaufführung.

Jetzt sind wir in Base. Oh, wie schön ist es hier! Die Natur hat hier das Sagen, sie ist hier die Göttin. Unsere Mitarbeiter haben die Häuschen blitzblank gehalten und auch die Küche war in bestem Zustand, wir können hier einfach sein. Nachdem in den letzten 2 Jahren Gruppen ausgefallen sind und in 2022 alles ausgefallen ist, sind wir doch frohen Mutes, dass hier zu schützen, denn irgendwann gibt es nur noch wenig solche, von den wundervollen Bäumen dominierten Plätzen, in denen man abseits des verrückten Trubels Indiens auch wohnen und stille Zeit verbringen kann. Meditation geschieht auf ungezwungene Weise fast wie von Selbst

Wir müssen auch nichts mehr aufbauen. Jetzt geht es darum zu erhalten. Die vielen Tausend indigenen Bäume sind alle prächtig angewachsen. Und der Berg gegenüber, der von den tribals (adivasis, Waldmenschen) bewohnt wird und wo die ursprüngliche Mutter des Waldes stumm angebetet wird und in Steinen am Wasserfall ihren symbolischen Wohnsitz hat: dieser Berg berührt. Sein Friede strahlt bis zu uns herüber. Es gibt sie noch, die unberührten Stellen, die nicht von Systemen erfasst sind.

„Ach wie befreien ist dieser Gedanke!“ In diesem Sinne werden solche unberührten Kraftplätze segenvoll ins neue Jahr hinein strömen.

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