England is Inspiration

London bei 33 grad! Hitze schafft für jene, die sie nicht gewohnt sind, Schlappheit. Menschen sehen aus wie trocken werdende Blumen und eine Trägheit dehnt sich über alles Geschäftige. Müde Gesichter abends in der ‚Tube’ sagen‚ wir rennen alle im Hamsterrad von ‘Work, Buy, Consume Die‘ –

und ich bin an meine Zeit in London in den 70ern erinnert. Damals waren viele aufgebrochen, aus diesem Rad eines erfolgsversprechenden Lebens auszubrechen. Es wurde in die Zukunft der Welt geblickt und die trendigsten Läden hatten Getreide und andere Waren in Säcken. Alle mussten eigene Container mitbringen, um Verpackungsmüll zu vermeiden. Doch dann drehte sich das Rad und die glitzernden Verpackungen der Konsumwelt scheinen eine Art Lebensinhalt zu bilden. Kaum jemand denkt nach, wie es anders sein könnte, man ist viel zu beschäftigt und von Bildern überlastet. 

Der Artikel erschien über mich im Guardian 1973

 

Ich habe es für ein paar Tage aus London heraus nach Hay – on – Wye in Wales geschafft. Ein niedliches altes Städtchen, welches mit vielen Bücherläden, sehr viel mit gebrauchten Büchern, sich bis zum großen Literaturfestival in eine gut organisierte weiße Zeltstadt gemausert hat.

Dieses Festival ist jetzt Kult. Bei den Buchpräsentationen war viel Spaß dabei. Vortragende kommen herein in gigantischen Hüten und Blumenkränzen wie bei Anita Roys Vortrag, den sie mit zwei weiteren, Zweige haltenden Frauen, über das Leben der Bäume und ihr neues gemeinsames Buch gehalten hat.

Viel vegetarisches internationales Essen, viel alternative Lebensweisen stellen sich charmant vor – das, was ich an England und Wales liebe. Wales stand immer ein bisschen für‚ ‘lass uns aussteigen und ein selbstbestimmtes, individuell geprägtes Leben führen‘ – so wie es auch aristokratische Exzentriker in England auf ihren Landsitzen für sich beanspruchen.

Hay – on – Why sorgt sich um die älteren Festival Besucher die herbeiströmen! wie sympathisch!

Fantastisch war die Begegnung mit Ben Okri. (Booker Prize Gewinner 1993 mit ‚Famished Road‘) Ich kannte nicht mal seinen Namen. Ein Schriftsteller, der mit seinen Texten in den Bann zieht; und in eine andere, in eine animistisch, archaisch geprägte Welt – die von Afrika –  hinein führt. Mit jedem Satz seines Romans erkannte ich: hier schafft jemand eine Atmosphäre, die anders ist, als was ich kenne. Menschen  sind  mit- oder gegeneinander,  politischer Fanatismus entwickelt  sich aus der Armut des Landlebens.  In jedem Absatz schwingt die Unterdrückung der Mächtigen unterschwellig mit und lauert hinter poetisch gebauten Sätzen hervor.  Zuerst dachte ich, so was kann man nur im psychedelischen Rausch schreiben, aber papperlapapp! – das ist gekonnte Literatur Andersdenkender – mit Inhalten, die weit über das nationalistische Denken henauswächst, Literatur, die in Deutschland viel zu wenig bekannt gemacht wird. Okri ist ein überzeugter Pazifist, der eine gewaltige Stimme hat. Er sprach gegen Aufrüstung, gegen den schrecklichen Wahnsinn der Mächtigen, gegen deren wahnwitzigen und kranken Vorstellungen.

Romane sind wichtig, sie sind Bewusstseinbildend in einer Zeit der kurzen Statements im Netz.

‚Der Stift ist mächtiger als das Schwert‘.

Ben Okri ist ein Künstler, der seine Rolle erfüllt und ein lautes ‘Dagegen Sein’ in dem Leser bewirkt.

Es war ein heißer Tag als ich meinen englischen Roman ‚Footprints of Eternity‘ in Empfang nahm. Er kam mit der Luftfracht aus dem Verlag in Delhi (Schifftransport durch die street of Hormus ist kompliziert).  Das ist mit höheren Kosten verbunden, aber ja, Geldsorgen, sie sind vertrieben denn die Freude war groß – die Aufmachung ist schon ein Kunstwerk und erfüllt alle meine Erwartungen und sogar darüber hinaus. Ich war unendlich glücklich, ihn in den Händen zu halten. Dann habe ich das fertige Buch in dieser schönen Formgelesen.

Ich wünsche mir jetzt viel Leser, die es genießen und lieben. Und die habe ich schon mit den Erstlesern: sie sind beeindruck, haben Spaß und ich will nun eine Seite auf meiner Homepage in englisch einrichten, wo mir meine Leser mitteilen können, was sie fühlen und denken beim Lesen dieses Buches. Es spricht allumfassende und unterschiedliche Themen an: Erotik, Mythos, Politik und Schamanismus, Philosophie der Unterdrückten und der ‚Seligen‘! Dazu die Liebe zur Erde als die Grundlage für jedes Umweltthema. Es beschreibt die Suche nach dem Sinn des Lebens.

Die Neufassung wirkt anders als die deutsche Urfassung. Da seine Geschichte im englisch sprachigen Raum spielt, wirken die Dialoge spritziger und die Themen sind näher. Drei Jahre habe ich zusammen mit Diana gebraucht, diese Fassung zu erstellen, gliedern und kürzen bis sie in dieser schönen Form vorliegt. Es sind drei Bücher in einem entstanden.

Krieg ist Normalität, Grausamkeit unsere Lebensgrundlage doch immer noch dürfen wir dagegen anschreiben. Es sind die Strukturen unserer politischen Parteien, die alles zusammenhalten, die aber nicht mehr zeitgemäß sind. Es braucht die radikale Erneuerung. Dazu braucht es den Zusammenbruch des Alten.

Also wer fährt den Karren an die Wand? Dass werden leider hierzulande die rechtsnational Gesinnten bald tun, darum kommen wir gar nicht mehr vorbei. Trotzdem geht es auch dann weiter, denn dann kommt das Erwachen und es wird mehr Widerstand geben.

In meinen Roman ist der Widerstand der Hoffnungsträger – Sita widersteht dem Hofleben und geht mit ihren Kindern in die Wälder, mein moderner Protagonist gibt seine aussichtsreiche Karriere als Mathematiker auf und geht in die Wälder. T.M. Krishnamacharya sagt zu ihm:

‚The forest, untouched by human hands, is not only a blessing for plants and animals, but is the true shrine that gives dignity to the world. The jungle is part of our yogic culture. There the powerful demons confront everyone. As long as there is wildlife with seekers, civilastion will endure.‘ 

 

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