Zurück in Europa

Ich stehe unter dem blühenden Kirschbaum, weiße  Blüten im Kontrast zum schwarzen Stamm. Schön! Aber still. Wo summen Bienen? Wo höre ich Gewusel von Insekten? Es gibt Bestseller über das Sterben der Insekten, aber es zu erfahren ist schmerzhaft.

Mir fehlt der Urwald, das summende Leben…! Alles in der Natur hier ist so vom Mensch durch konzertiert und auf Profit ausgerichtet, gegen die Anarchie der Natur.

Wir erreichten London am 10. April und waren auf dem Flug plötzlich gesundheitlich angegriffen. Am Mittwoch, meinem Geburtstag, testeten wir alle positiv auf Covid. Unser Sohn, unsere Schwiegertochter, wir husteten im Chorus und unser kleiner Enkel hatte hohes Fieber. Das war eine harte Ankunft. Nicht richtig krank aber nicht richtig gesund – so ging es weiter.

Wenn die Gesellschaft krank ist, ist der individuelle Mensch auch krank, denn die Gesellschaft besteht aus Individuen.

Jetzt höre und lese ich über Aufrüsten, über Geld für Waffen ausgeben. Das Patriarchat führt seinen Überlebenskampf,  ist das, was ich dabei spontan denke. Sagte nicht Sita zu Rama schon etwa zweitausend Jahre vor Christus:

„So wie Feuer Holz verändert

verändern Waffen die Menschen, die sie besitzen.“

Es ist das Motto meines letzten Romans „Als wir die Welt retteten“  

Wollen wir die Ukraine mit Waffen retten, und sie dabei restlos zerstören? Es ist zu spät für Waffen!  Robert Habek hat letzten Sommer, nachdem er im Donbas war, lange vor der Bundestagswahl, Waffenlieferungen für die Ukraine gefordert. Wie wurde er bös angegangen: „Ein Grüner, der Waffen fordert!“ Aber damals hätte es noch Sinn gemacht, es wurde soviel Geschäfte und Geld in die Ukraine gesteckt, ohne sie wirklich zum gleichwertigen Freund und Partner zu erklären und in den erlauchten Kreis aufzunehmen. Sie war uns nicht demokratisch genug.

Jetzt sollten wir der Ukraine und Russland gleichzeitig die Mitgliedschaft in der Nato anbieten. Dieser wahnsinnige und wahnwitzige Gedanke bringt dann die Waffen zum Schweigen, denn sie sind eingesammelt in einer Idee, die der Nato…diese Idee verkaufen sie uns als Freiheit, in der nur die Guten sein dürfen. Und das geht nicht auf.

„Wir müssen unser freiheitliches Leben gegen den Irrsinn eines Diktator wie Putin verteidigen“ – ist das neue Motto. Ausgerechnet in Bezug auf die Geschichte der Ukraine, auch wenn das Land jetzt dabei draufgeht und die Menschen geopfert werden,  wird uns das so als ziviler und mitfühlender Gedankengang vorgebetet. Und was hat Bush im Irak gemacht? Auch unsere westlichen Werte verteidigt? Da gab es genau das, was jetzt in der Ukraine gibt, nur noch viel mehr Opfer. Und Assange, der uns auf die Kriegsverbrechen der amerikanischen Soldaten aufmerksam gemacht hat, sitzt immer noch im Gefängnis unserer freien Welt.

Die Gier eines Putins, sein Traum vom Großreich, ist krank. Krank ist aber auch unsere Gier mit ihm Geschäfte zu machen, unser Zeugs dort zu verkaufen und von ihm Rohstoffe einkaufen. Trotzdem ich bin weiter dafür,  russisches Gas zu kaufen, denn wenn wir es nicht kaufen, kauft es Asien. Modi in Indien hat schon einen tollen Deal mit Putin ausgehandelt. Und Putin wird tatsächlich uns, wenn unser Reichtum und Wohlstand zurückgeht, wie beispielsweise auf Grund des teuren und umweltschädigenden Fracking Gas,  dann angreifen und sich über unsere Kurzsichtigkeit kaputtlachen. Wir sind längst in seine Falle gegangen. Den Wirtschaftskrieg sind wir am Verlieren.

Ukraine soll sich umgehend ergeben und etwas Kluges jetzt aushandeln. Die Kriegsrhetorik und das neue Heldentum seiner Führungselite ist tief störend.  

Und was die Bhagavat Gita angeht, darin ging es um die Austragung eines Konflikts auf dem Schlachtfeld zu dem zwei Parteien sich einverstanden zeigten und aufstellten. Seit langem gibt es solches Kräftemessen nur noch im Sport.

Den Überfall eines stärkeren auf ein schwächeres Land nennt man Kolonien erschaffen oder das Kolonisieren, das auch hier munter weiter fortschreitet.

Die Gita wird missinterpretiert, weil sie aus dem Kontext genommen wird, wie heute alles aus dem Ganzen genommen wird und dann als Detail, dem der Hintergrund fehlt, ein künstliches Leben eingehaucht bekommt. Gita ist Teil eines sehr langen Epos, dem Mahabharata. Es ist eine Antikriegsschrift. Es  führt dem Leser die Sinnlosigkeit des Kriegs vor. Und letztlich gleicht es darin auch dem Ramayana: Es fordert Bewusstseinsveränderung des Menschen und seinem sinnlosen Umgang mit Waffen.

Wo ist der Aufschrei der Frauen gegen den Krieg? ­Jeder neue Tag ist zu viel.

Wo sind die Malerinnen, Schriftstellerinnen, Tänzerinnen, Musikerinnen und Schauspielerinnen, die ihre Stimme gegen den gedanklichen Trend erheben?

Wo sind die Mütter?

Meine Mutter, die den zweiten Weltkrieg erlebt hat, würde gegen den Krieg aufstehen und gegen jede Art von Aufrüstung sich empören, würde sie noch Leben.

Lasst die Ahnen zu Wort kommen. Ich habe russische Ahnen, ich höre sie schreien: Aufhören mit dem Zerstören!

Denn es ist ein rein männlicher Wahn, der möchte zerstören um Raum zu schaffen, damit er weiter zeugen kann. Wir, die wir den Schmerz des Gebärens kennen, wollen unsere Söhne nicht im  Krieg verheizt sehen.

Es ist der Kapitalismus, der den Krieg braucht um zu überleben und nicht die Freiheit.

Drei Tage nachdem ich den Artikel veröffentlich habe, kam der Aufruf aus der Emma: www.emma.de/artikel/offener-brief-bundeskanzler-scholz-339463

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