Drei Fragen im Juli – Männerabwesenheit

1. Um was geht für Dich es bei dem Jahrestreffen, das Du jährlich gestaltest? Worum ging es speziell beim diesjährigen Treffen?
Es geht darum, dass wir den Yogaweg neu definieren, ihn von den übertriebenen kommerziellen Zertifizierungsmethoden abgrenzen und ihn auch inhaltlich scharf ausleuchten. Diesmal habe ich die inspirierenden Ideen aus dem Samkhyakarika vermittelt und darüber ausgetauscht, was eigentlich zu Yogasanas gehört und wie wir Acht geben, dass die eigene Asanapraxis die Körpergesetzmäßigkeiten des Yoga respektiert.
2. Was denkst du wenn –wie diesmal – 9 Männer und 60 Frauen vor dir sitzen?
Ob es eine Literaturlesung ist oder ein Seminar zur Weiterentwicklung überall sind die Frauen vorn. Insofern akzeptiere ich das als ein Phänomen. Frauen erbringen viel allgemein Interesse, gestalten stark mit, übernehmen Verantwortung für das Wohl ihres Umfeldes und tun gleich auch etwas dafür. Merkwürdig ist aber das Phänomen, dass es in der modernen Welt viele weibliche Yogaschülerinnen und wenige männliche „Gurus“ sind.
3.Wenn die Frauen stark gestalten und sich bewegen, die Männer aber eher beim Fußball sind oder zuhause werkeln und schrauben, dann werden sie ja zu Arbeitsbienen und die Frauen zu den Bienenköniginnen! Sie müssten ja dann auch gesellschaftlich viel mehr in Führungsrollen kommen und weniger die Männer zur Rolle von Lichtgestalten (z. B. einem Guru) verhelfen?
Dieses komplexe Thema hat eine indische Variante: Ein sozialer Aktivist (Muthu von CCD) in Indien sagte zu mir: „Auf dem Land trinken die Männer und spielen Karten, sie sind für diese Generation verloren. Wir fangen die Frauen auf und geben ihnen Arbeit, weil sie als Mütter eher Verantwortung übernehmen. Für ihre Kinder setzten wir auf eine Schulbildung, die den Blick aufs Soziale fördert damit sich das mit dem Genderproblem ändert. Es gibt Frauen mehr Selbständigkeit und den Männern keine unverdiente Stellung.“

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