Es ist der Wunsch nach dem Totalen – Yogapraktizierende, Künstler, Aktivisten, Weltverbesserer, Politiker, Vertreter von religiösen Gemeinschaften, sogar Wissenschaftler haben das gefährliche Ziel – Besserwisserei.
Das Wahlergebnis gestern in Sachsen-Anhalt ist kein Schock, weil die von Überinformation und der Rhetorik der Parteipolitiker gestresste Bürger ihre Sehnsucht nach sprachlich einfach formulierten Vorschlägen – und vor allem ihren Wunsch nach Heilsversprechungen – gezeigt haben. Diesen Wunsch haben wir alle. Aber solche Heilsversprechen können nur von einer auf Totalität ausgerichtete Partei kommen, so was wie: ‘Wir die einzig Wahrhaften, wir, die alles besser machen werden und alles wird gut sein. ‘Das klingt wie Nektar und wir schließen die Augen vor Wonne, und vor der Bedeutung des Totalitären, hinter solchen Aussagen.
Hat die Demokratie in diesem Raubtier-Kapitalismus überhaupt noch eine Chance zu funktionieren, oder sollten gleich die großen Unternehmen das Land führen und sagen, wie die Rente und die Löhne sein werden? Den Gewerkschaften und andere zivile NGOs kann die Rolle der Opposition zufallen. Zu was noch Parteien und Staatsdiener, wenn die sich gegenseitig mit Anpöbeleien und Schuldzuweisungen aufs Peinlichste zerfetzten. (Wie gestern in der Talkshow ‚hart aber fair‘) Sie zwingen mich dazu, sie als Sektenanführer zu sehen, die ihre Parteien wie eine Sekte preisen und alle bekehren wollen, die zuhören.
‚Wer hat die meisten Hörenden bekehrt‘, bleibt die Frage nach einer solchen Fernsehtalkshow. Jeder hat das bessere Programm, Linke, BSW, CDU, SPD, keiner beantwortete die Frage, warum ihnen ihre Anhänger davonlaufen, um sich einer kompetent durchstrukturierten Sekte anzuschließen, die verkündigt: Wir wissen es besser! Wir wissen wie regieren geht!
Allerdings reagiert die durchstrukturierte Sekte besser and schneller mithilfe der neuen Medien darauf, was Leute gerade bewegt.
Habeck hat gesagt, Parteidenken ist vorbei, rechts und links interessiert nicht mehr, wir müssen anders mit Andersdenkenden kommunizieren können, wenn wir demokratisch bleiben wollen. Angesichts der Logik, dass die konsequent zu Ende gedachte Fortentwicklung des Kapitalismus zu Totalität führt, hatte er Recht mit dem Wunsch nach einem anderen Politikansatz, aber leider war er der Zeit voraus mit seinem Denken. Unsere Politiker sind heute reine Verwalter mit Algorithmen im Kopf, sie sind keine künstlerisch oder philosophisch gebildeten Menschen mehr. Das fehlt.
Das Totale wird sich das, was nicht in seinem Sinne ist, einverleiben, fressen oder es ausschließen, verdammen, auslöschen oder vertreiben. Das steht uns bevor, dagegen müssen wir ankämpfen und uns sofort anders verhalten.
It is the desire for perfect control and totality— yogis, artists, activists, idealists who want to change the world, politicians, representatives of religious communities, and even scientists all share one dangerous goal: the conviction that they know better.
Yesterday’s election result in Saxony-Anhalt is not a shock, because citizens stressed out by information and by the rhetoric of party politicians have revealed their longing for proposals expressed in simple language — and, above all, their desire for promises of salvation. We all have this desire. But such promises of salvation can only come from a party oriented towards totality, something along the lines of: “We are the only ones who are right. We are the ones who will make everything better, and everything will be fine.” It sounds like nectar, and we close our eyes in bliss, blind to the meaning of the totalitarian impulse behind such statements.
Does democracy still have a chance of functioning in this predatory form of capitalism, or should we simply let the large corporations take over and tell us what is going to be the pensions and wages we are going to get? Trade unions and other civil-society NGOs could then take on the role of the opposition. What do we still need political parties and civil servants for if they tear each other apart so embarrassingly with insults and accusations of blame? (As happened yesterday on the talk show Hart aber fair.) They force me to see them as cult leaders, praising their parties like cults and trying to convert everyone who is willing to listen.
“Who converted the most listeners?” remains the question after such a television talk show. Everyone has the better programme — the Left, BSW, CDU, SPD — yet no one answered the question of why their supporters are leaving them to join a highly organized and well-structured cult proclaiming: “We know better! We know how to govern!” Indeed, they are better and faster than the other parties at responding to what people are currently concerned about, and know better how to utilize the social media.
Robert Habeck said that party politics is over, that right and left no longer matter, and that if we want to remain democratic, we must learn to communicate differently with people who think differently from us. Given the logic that the consistent development of capitalism, if taken to its logical conclusion, leads towards totalitarianism, he was right in calling for a different approach to politics. Unfortunately, he was ahead of his time in his thinking.
Our politicians today are mere administrators, with algorithms in their heads; they are no longer people educated through art or philosophy. That is what is missing.
A totalitarian regime will absorb, devour, exclude, condemn, erase, or drive out whatever does not serve its purpose. That is what lies ahead of us. We must fight against it — and we must change our attitude and reactions.

