Im eigenen Netz gefangen

Offener Brief an Caroline Wahl,

Ich habe Ihr Buch ‚Windstärke 17‘‚ in rasantem Tempo durchgelesen. Es fesselt. Zugegen: Ich bin neidisch auf ihren Erfolg – obwohl ich ihre Großmutter sein könnte – und ärgerlich, dass Ihre Art des Schreibens, so ungemein in den Medien gehypt wird. Gleichzeitig freue ich mich für Sie, eine erfolgreiche Karriere als Schriftstellerin zu haben. Sie haben Mut zum banalen Ende einer Geschichte in einer viel zu komplexen Welt. Sie beschreiben die Momentaufnahme einer jungen Frau, die im Rahmen des Möglichen bleibt.

Zwei Themen bewegen mich:

Warum lese ich diese sehr individuell bezogenen Geschichte, die mir keine neuen Erkenntnisse bringt. Es geht nur um die Befindlichkeit eines Menschen. Ist das der neue literarische Stil? Man bekommt etwas von Rügen mit, aber nicht allzu viel; und ist es glaubhaft sich so wohlig einzurichten bei Fremden? Ist das märchenhaft, oder realistisch? Oder ist das Triviale das Märchenhafte? Sehr unerotisch die Liebe, eher noch pubertär und ohne Charakter. Schmusekurs nur? Und die Älteren, die Leute, die in meiner Generation: alle Verlierer – dement, oder haben Krebs, sind Alkoholsüchtig oder Kettenraucher!

Warum sind sie so erfolgreich? Weil sie den Ton ihrer Generation getroffen haben? Ist das Abtauchen so wichtig, um sich im Bürgerlichen wiederzufinden?

Zweitens frage ich mich: Interessieren sie sich nicht für die Weltlage, die anderen Kulturen, irgend etwas, was außerhalb ihres eigenen Schmerzes liegt? Ist diese Art von Schreiben, bei der es nach dem Wunsch abzutauchen das Auftauchen in eine Geborgenheit gefeiert wird; ist diese Art des Romans in einer Zeit des Aufbruchs, des Umbruchs, der globalen Zerstörung gerade jetzt wichtig und findet deshalb so große Beachtung?

Worin besteht dieser Hype um sie und um die Thematik ihres Schreibens? Können Sie es erklären?

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