Yogaweg Jahrestreffen mit Sri Ramaswamy

Die Sonne wärmte mit Kraft. Ein paar Momente,  zurückversetzt nach Madras, zeigte mir Züge von Krishnamurthy auf Ramaswamys Profil. Das in sich gekehrte, erfüllte Lächeln über die Schönheit der Verknüpfung von Wissen und Sein, auch bhava genannt, trug manchmal auch Sri Desikachar auf seinem Antlitz. Meister aus einer anderen Zeit? In der Verlangsamung eine Tugend war? Während heute Beschleunigung angepriesen wird als Fortschritt.

Es waren 150 Menschen im Raum. Ramaswami Sir erzählte wunderbar, psychedelische Geschichten  aus den Puranas.

Am Sonntag wurde das arunam von ihm zusammen mit Sriram rezitiert –  2 Stunden lang.  Mit 34 Sonnengrüßen wurden die Übenden  Teil eines Rituals,  dessen Essenz das Gayatri Mantra ist. Ich habe  über die letzten Jahrzehnte vielen Erläuterungen des Gayatri Mantras beigewohnt, jedesmal offenbart sich etwas Anderes, Neues, Unentdecktes. Als würde es aus einem Raum in einen noch weiteren Raum führen. Das ist das Besondere, niemand erfasst die Lehre des Yoga. Sie führt immer weiter ohne einen Höhepunkt zu erreichen. Je mehr man versteht, je mehr begreift man wie wenig man weiß. Und dann senkt sich doch das bhava herab, das ist der Moment, der die Weite unerfaßbarer Weisheit mit dem eigenen Herz verbindet, als Kuss. Auch das ist bhava.

Es gibt soviel Aspekte zum Asana-üben. Jemand zu sehen der 30 Jahre bei Sri Krishnamacharya gelernt hat und diese Erfahrung zunächst dazu benutzt,  sein Leben zu verstehen ohne erst mal Andere zu belehren, ist großartig. Ramaswami Sir sagte: ich war jeden Morgen um 7 Uhr in der Unterrichtsstunde, nach ein paar Jahren lernte ich nicht mehr asanas, sondern wir studierten Texte. Oft habe ich nichts verstanden, aber einfach alles aufgenommen ohne zu fragen und ging zu meiner Arbeit wo ich im Geschäft meines Vaters half. Ich dachte, eines Tages offenbart sich mir das wahre Wissen, wenn die Zeit reif ist. Und so bringe ich heute vieles zusammen in mir zu Erkenntnis.

Surrender to shiva is surrender to peace, because the word shiva means also peace and not god.

Heutzutage wird gestritten, wer den richtigen oder besseren Gott besitzt. Begriffe loslassen, um sie hinterfragen zu können, und ohne Beurteilung wirken zu lassen, wird zur wichtigen Aufgabe dem Yogaweg unserer Zeit.

 

4 Kommentare

  1. Liebe Anjali,

    Dein Bericht ist wunderschön. Ich habe mich sehr gefreut, als ich gehört habe, dass Sri Ramaswami nach Deutschland kommt. Leider konnte ich nicht dabei sein. Durch Deinen Text bekommt man zumindest ein Gefühl, wie es ist, ihn zu erleben. Auch das eröffnet einen Raum.
    Wer weiß, vielleicht habe wir ja Glück und er besucht uns wieder. Ich würde mich freuen.

    Vielen Dank, dass Du Dein Erlebnis mit uns teilst.

    Herzliche Grüße
    Andreas

  2. Liebe Anjali, dein Bericht beschreibt sehr schön auch meine Empfindungen und Erfahrungen während der vier heißen, intensiven Tage. Danke dir dafür und euch beiden für die Organisation des Jahrestreffens.

    Alles Liebe,
    Sandra

  3. […] nach langem schweren Leiden das „Jammertal der Erde“ (wie Srirams Frau, Anjali, in ihrem Blog schreibt) verlassen hatte und an dessen Beisetzung er leider nicht hatte teilnehmen können. Wir […]

  4. Euch Grenzgängern….mein liebster Gruß.
    GUT von euch zu lesen.
    SO gern wäre ich beim Jahrestreffen dabei gewesen.
    Leider passt der Termin so schwer in unsere FamilienSommerZeit.

    Darum großer Dank dafür, etwa zu erspüren von diesen Tagen.

    Freue mich schon mega auf SuperVision im NÄCHSTEN Jahr. Dauert. Ich weiß.

    Eine Yoga Schülern von mir fliegt im Nov. nach INDIEN— und mein Herz zieht es SO sehr mit.

    So seid einfach aus tiefstem Herzen gegrüßt,
    Hildegard

    PS: Gerne MEHR!!!

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