Die drei Fragen im November

Sriram, Kommerz geht dir gegen den Strich. Erkläre! Kommerz kreiert Klüfte: trennt in Geber und Nehmer, Hersteller und Verbraucher, Wissende und Suchende und fordert stets das Eigeninteresse. Der stille Geist meidet die Spaltung...

Sriram antwortet

1. Sriram, Kommerz geht dir gegen den Strich. Erkläre!

Kommerz kreiert Klüfte: trennt in Geber und Nehmer, Hersteller und Verbraucher, Wissende und Suchende und fordert stets das Eigeninteresse. Der stille Geist meidet die Spaltung.

Ich will deshalb auch kein Guru sein, habe auch in meinem Leben nie eine Person als Guru verehrt. Respekt vor Menschen die mehr Wissen haben bleibt für mich jedoch eine wichtige Wertschätzung.  Das bezieht sich auch auf die nichtmateriellen, also die geistigen Dinge. Kommerz bezieht sich ja vordergründig auf das Materielle. Geistige Werte zu stark zu mit einem Verkaufslabel zu versehen halte ich für gefährlich. Allein dass es so viele Yogarichtungen mit verrückten Namen gibt ist ja ein schritt Richtung Kommerz. So wurde Desikachars Yoga Unterrichtsweise in Viniyoga benannt. Nicht von ihm. Viniyoga heisst zunächst Gebrauchsanweisung und die gibt es für Mudras, Asanas, Kopfhaltungen Augenstellungen. Das Wort bedeutet Anwendung auch Rezept ist aber ein völlig unpassender Name um den Geist des Yogas meines Lehrers und dessen Lehrers auszudrücken.

2. Wie können wir dem Einfluss des kommerziellen Denkens  entkommen, zumal wir in einer kommerziell organisierten Gesellschaft leben?

Unterschiedlichkeiten fördern die Vielfalt und die Sinnlichkeit des Lebens, sind das „Lila“. Die kommerziell organisierte Gesellschaft nutzt diese Tatsache aus und beschwört das Glück des Konsums. Dem sich zu widersetzten ist der Weg.

3. Das würde konsequent gedacht zu einen radikalem boykott führen?

Glück durch Konsum ist eine Grundstörung (raga) der geistigen Stille.  Ein ruhiger Geist boykottiert ohnehin den Konsum. Wenn wir ihm folgen möchten dann definitiv „ja“.

 

Vorschau für Dezember: Christentum und Yoga

4 Kommentare

  1. lieber Sriram,
    große wertschätzung für deine Kommentare, die mir sehr aus dem herzen sprechen. auch ich mag das Guru-tum nicht und möchte den teil in mir finden, der mich von inner her führen kann, bei aller wertschätzung für wunderbare Lehrer wie dich und andere. es entsteht dadurch einfach nur neue Anhaftung und ein Denken von trennung.
    großen Dank und liebe Grüsse an euch beide
    claudia

  2. Liebe Anjali und lieber R. Sriram,

    die Stringenz Eurer Betrachtung lese ich mit der Demut eines Dürfenden, der Einsicht eines Verstehenden und der Dankbarkeit eines Habenden. Es ist ein Vergnügen Euch kennengelernt zu haben, da es gut tut zu wissen nicht alleine zu sein, wenn es auch nur die Erscheinungswelt betrifft.

    Einen schönen Winter wünscht

    Peter

  3. Zuerst bedanke ich mich bei euch, liebe Anjali und lieber Sriram, für diese Seite und die Anregungen.

    Ein Boykott von Kommerz und eine freiwillige Konsumbeschränkung dienen der einzelnen Persönlichkeit und auch unserem Planeten.
    Ohne Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung kollabiert unsere Erde.
    Wir könnten mit viel weniger viel besser leben.
    Weniger vom heutigen Schein, dafür viel mehr vom Wesentlichen.

  4. Ich bin dankbar für diese Worte zu Konsum und Yoga. Ich bin gerade auf dem Weg zu einer Yoga-Lehrer-Ausbildung und da bin ich auch auf eine Yoga-Kette in D gestoßen, die mir doch sehr genormt und gurubetont vorkommt und eine verlockende zweijährige Ausbildung anbietet, z.T. auch noch vor Ort. Ich werde einfach ein ungutes Gefühl nicht los, dass dies nicht meines ist. Die Worte von Sri Ram haben mich irgendwie bestätigt und ermutigt.
    Marie-Luise

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