Spaltung in unserer Gesellschaft

Im Artikel der Süddeutschen vom 10 /11. April 2021 „Auf Biegen und Brechen“ thematisiert Jan Semmel u.a., wie Corona die Yogalehrerszene spaltet.

In allen Bereichen, Spiritualität, Sport, Kunst, Literatur, Politik – um einige zu nennen – schleichen sich derzeit rechte Gedanken subtil ein und ein Andersdenkender wird zum Feind: Wie gefährlich ist das? Jene die aber kritisieren begeben sich dabei aber selbst in eine selbstgerechte Position durch Vereinfachung der Lage. Schauspieler, die sich gerade in den soziale Medien über ihre Misere Luft verschaffen, werden angegriffen nach dem Motto: Lockdown Gegner sind eine Armee von Covid-Idioten – oder noch schlimmer: sie sympathisieren mit der AfD. Unterschiedliche Auffassungen, wie sie gerade unter Menschen zu finden sind, helfen doch diese schwierige Zeit ein klein wenig besser zu erfassen. Dazu braucht es nicht der selbstgerechten Haltung. Vereinfachung zugunsten eines Einen, dem als richtig empfundenen, ist gefährlich.

Das die Wahrheit in der“ „einen“ Sichtweise liegt ist der Anfang von totalitärem Denken. Dem gegenüber steht die vielschichtige Sicht. Das mal so, mal anders, oder, in Einem ist so viel anderes enthalten. In Krisenzeiten sehnen sich Menschen nach Richtlinien und suchen in einer klaren, jedoch simplifizierten Ansicht den rettenden Anker. Das, was konträr zur allgemein in den Medien gängigen Meinung verbreitet wird, muss auf gesellschaftlichen Druck hin, wieder zurückgenommen werden, und als Ausrede dient dafür: es könnte jemand weh tun.
„Ständig wird in der Alltagssprache nach Worten gesucht, die den Anderen verletzen können und die es fortan zu meiden gilt. Eine moralisch unantastbare Haltung zu zeigen ist für den Lifestyle Linken wichtiger als sein Anliegen auch umzusetzen.“ , steht in Sahra Wagenknechts neuem Buch: „Die Selbstgerechten“.

„Esoterik ist nur für besondere Menschen“, schreibt James Joyce in Ulysses. Sie kann keine Massenbewegung sein. Wenn sich jetzt eine große unterschiedliche Gruppierung von Menschen – Homöopathen, Lehrer, Gastronomen, Künstler aller Sparten, Frisöre, Impfgegner, Freigeister, arbeitslos Gewordene, normale Angestellte etc.-, gegen die Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung der Covid Pandemie versammeln und dann ein gerissener Lenker wie M. Ballweg diese alle zu dem Einen unter dem Banner der Querdenker formiert und sie dann gemeinsam durch die Straßen ziehen, ist das schon ein bedrohliches Bild. Trotzdem gehen Vergleiche mit Hitler nicht, denn er war krankhaft zerstörerisch und brachte das Böse so stark hervor, dass es keinen Vergleich mit seiner Regierung jemals geben kann. Er hat sich nur gern dessen, was er als Esoterik verstand, bedient. Faschistische Tendenzen jedoch gilt es früh aufzudecken und sich gegen sie zu stellen.

Wer sich derzeit kritisch gegen Covid Maßnahmen der Regierung äußert, wird sofort auch als Querdenker und als „rechts“eingeordnet. Auch unter den Wissenschaftler gibt es unterschiedliche Meinungen, doch bildet das RKI die einen Meinung, die täglich runter gerattert wird, während anderes denkende Wissenschaftler selten eine Bühne bekommen. Gerade weil die Welt der Wissenschaft so komplex ist, dass ein Laie sie nicht versteht, bräuchte es mehr konträre Darstellungen im Bezug zu Covid. Stattdessen bekommen wir eine vereinfachte Darstellung. Der genereller Lockdown „einfach alles dicht machen“ ist die politische Antwort darauf, die ja gerade wegen ihrer Simplifizierung von Schauspielern parodiert wurde.

Auch Bill Gates als Turbokapitalist und Technokrat – mit seiner Sicht, wie er die Welt verbessern will – ist auf Grund seiner Teilhabe an Firmen und seinem Einfluss auf die WHO eine gefährliche Macht des Einen.


Das Fatale an der Schulmedizin ist, dass sie wie eine Art Religionsersatz, weltweit als die „eine“ Medizin gelten muss. Ja, sie kann Leben retten, aber kann sie wie im Falle Covid heilen? Ayurvedische Ärzte in Indiens beispielsweise kennen verschiedene Medizinen mit denen sie Covid (Seuchen sind in Indien ein bekanntes Problem) bekämpfen. Selbst Indien hört heute nicht auf sein altes Heilsystem. Bei Ayurveda gibt es nicht die eine Medizin für alle Kranken, sondern es kommt darauf an, wen Covid befällt. Aber es ist gut, dass sie diese einzelne Medizin nicht heraus posaunen. Denn dann wieder würde nur einige Konzerne (wie beim Impfstoff) ein großes Geschäft wittern.

Im „Freitag“ vom 22. April 2011 steht: „derzeit plant CureVac Studien mit 12-17-jährigen Jugendlichen in Peru und Panama“ Diese grauenhafte Nachricht erinnert mich daran, dass Impfung gegen Gebärmutterkrebsimpfung an unschuldigen Adivasis (tribes) in Südindien getestet wurde. Viele wurden krank und starben. Schulmedizin, die auf Experimenten an Tieren und hilflosen Menschen beruht, lehne ich ab. Ich bin aus ganz anderen Gründen gegen das Impfen als z.B. der Wissenschaftler und Impfentwickler Geert Vanden Bossche, der warnt: beim Impfen auf dem Höhepunkt der Pandemie, entwickeln sich Mutanten, die so aggressiv sind, weil ihnen der Wirt entzogen wurde, dass sie resistent gegen Impfungen werden. Andere sind gegen das Impfen, weil sie aus Prinzip nur alternative Medizin nehmen. Auch Menschen die bei der derzeitige Covid Impfung Bedenken äussern, sind keine in sich geschlossene, keine gleichdenkende Gruppe. Dabei ist „Impfgegner“ zum Schimpfwort geworden, das abfällig und diskreditierend benutzt wird. Das geschieht in einer Zeit auf der Höhe der „political correctness“.

Yoga ist wie Esoterik auch nur für wenige Menschen. Es ist hierzulande aber Mode und Tausende finden Gefallen daran. Dass aus Yoga ein vereinfachter positiver Wohlfühl- und Gesundheitskult abgeleitet wurde, der mal Luna-, mal Yin-, mal Power- Yoga, unter vielen, genannt wird, der Jobs für viele schafft, ist aber gut, denn Menschen brauchen besonders heute, eine positive Sicht. Ich finde es aber bedenklich, wenn sogenannte „rechte Querdenker“ unter Yoga Lehrern ausgefischt werden. Viele Menschen der Yoga – Bewegung (gerade auch die im Artikel zitierten) präsentieren sich als Unternehmen mit raffiniert strategischem Marketing. Dazu brauchen sie die Vereinfachung und Vereinheitlichung: Yoga wird mit herrlichen Leibern in verrenkten Positionen, mit immerzu lächelnden Gesichtern in ihrer Werbung dargestellt und es erinnert ein wenig an die faschistische Baukunst: das Glatte, einheitlich Schöne wird gehuldigt, denn es verkauft sich gut. Yoga beinhaltet mehr, ist Teil einer komplexen tantrischen Wissenschaft, die eine vollkommen andere Ästhetik Lehre beinhaltet, als hierzulande geahnt wird. Unter den Yogis Indiens gibt es sehr viel die man als „crazy“ aussortieren müsste, nach dem neuen „political correctness“ Maßstäben.

Ich will niemals den Dienst, den diese großen Yogainstitutionen der Gesellschaft darbringen, verkleinern. Menschen zu dienen, dass sie sich körperlich betätigen und dem positiven Denken zuwenden, ist eine Dienstleistung, die genauso wichtig ist wie die der Frisöre und Fitnessstudios, der Massagepraxen oder anderer Gruppierungen, unter denen sicher auch Menschen sind, die jetzt als Querdenker eingeordnet werden.

Die Cancel-Culture gehört nicht zu Yoga, denn es ist eine Philosophische Konzept in solcher Vielschichtigkeit. Ich halte den Gedanken von dem sonst von mir geschätzten Michi Kern für bedenklich, sich von Lehrern zu trennen, die nicht seine Meinung vertreten. Ein geschäftsträchtiges Label, das zwar den „einen einzigartigen Stil“ propagiert und in Zukunft geschäftsfähig sein will , muss vielschichtig denken. Rassistische Äußerungen und sexuelle Übergriffe müssen natürlich sofort schwer geahndet werden, sie sind aber nicht zu vergleichen mit einer anderen Haltung zur gegenwärtigen Politik betreffend die Covid Maßnahmen.

Und die gute Nachricht zuletzt: wir leben in einem Land der freien Meinungsäußerung. Laßt uns doch davon mehr Gebrauch mache! Schreibt, streitet! Toleriert!

Denn blicken wir auf Indien zeigt sich wie dieses Land im Chaos seiner nationalistischen und chauvinistisch rechten Regierung versinkt, und zeigt zudem, das Journalisten, Autoren, Denker, die eine andere Meinung als die Regierung öffentlich geäußert haben, längst schon im Knast sitzen.


3 Kommentare

  1. Liebe Anjali,
    möchte Dir ganz herzlich danken für diesen Beitrag. Die Spaltung in unserer Gesellschaft, kommt in dieser Zeit sehr deutlich zum Vorschein. Es wird denunziert, diffamiert und diskreditiert. Die Medien verbreiten Angst und Schrecken und die Impfung soll nun der einzige Heilsbringer sein. Leider lassen sich jetzt auch Menschen impfen, die sich seit Jahren bemühen gesund zu essen, im Bioladen einkaufen und sich vielleicht auch mit der ayurvedischen Medizin aueinandergesetzt haben. Passt das zusammen?
    Ich muß gestehen, dass es mich ratlos und traurig macht.

    Ich habe noch eine Frage an Dich: Stimmt es wirklich, dass aktuell so viele Menschen in Indien an Cororna sterben, oder wird alles mal wieder von den Medien auf die Spitze getrieben. In Indien leben so viele Menschen und viele sind sehr arm. Ich kann mir vorstellen, dass es schon immer so war, dass eben auch viele an allen möglichen Kranheiten sterben, dass es hier bei uns nur niemanden interessiert hat.
    Wie ist die Lage dort wirklich?

    Liebe Grüße,
    Petra Höltken

    P.S.: Wir kennen uns unter anderem von Seminaren in Krefeld bei Birgit. Wir haben dort einige Male zusammen gegessen und ich habe dich mal vom Hotel abgeholt. Vielleicht erinnerst Du dich.

  2. Liebe Petra,
    ja Krefeld live ich erinnere mich. Kommt wieder!
    In Indien leben sehr viel reiche (die reichsten der Welt) und sehr viel arme Menschen. Das macht das so krass. wenn du aber 10.000 Menschen aus USA nimmst, oder auch 10.000 aus Deutschland und sie vergleichst mit 10.000 aus Indien, sind da gleichviel in EU und USA gestorben wie in Indien. Da es 16 mal mehr Bevölkerungsdichte hat, musst du es mal 16 nehmen, deshalb hört es sich so schlimm an. Ja, ist auch teilweise schlimm, besonders die Mutanten, eventuell auch da auf der Höhe der Pandemie geimpft wird entwickelt das Virus Gegenkraft und mutiert brutal. Aber ich bin keine Wissenschaftlerin.
    Zur Lage in Indien will ich demnächst eine blog post machen. Viel fragen mich. Aber Kerala und tamil Nad sind nicht so betroffen.
    Aber lies doch mittlerweile was Sriram auf facevbook gepostet hat, ich wiederhole es hier:
    India ought to be scared.
    Not of Covid-19, but of Narendra Modi and his government.
    They are power-addicted, do whatever embellishes their image – a few weeks ago cricket match in a newly-built stadium for 75000 people (named Narendra Modi Stadium)
    They are ignorant, allowed the Kumbh Mela to happen – three weeks long, many millions on their feet, millions bathing along the banks of the Ganga – thinking that people’s faith in the rituals is equal to their faith in the government.
    They are ruthless, held huge election campaigns in the last few weeks investing endless amount of money, greedily testing and tasting their power, while ignoring the worsening conditions of the pandemic and while people are becoming breathless and dying due to lack of oxygen.
    They want to become political super-spreaders, but have directly contributed to the surge of Covid in India in the last few weeks.
    They are liars, preventing anyone from doctors to social workers to undertakers from reporting the Covid-death-cases correctly; they are heartless, letting all states which are not in line with their policies wait for help.
    They are arrogant, thinking the world is amazed by India, its values and its culture. But they ought to know: The world is scared now of India more than anything else. And the world ought to know: They will kill everything that is beautiful in India, most of all its culture of diversity and simplicity and try replace it with a monochrome picture based on intolerance, uniformity and false morality. If they continue in power, India is bound to be lost to the world as a country of magic, human innovativeness and spiritual inspiration.

  3. Liebe Anjali, vielen Dank für deine Gedanken.

    Ich habe gerade einen Leserbrief an die SZ geschickt, weil mich der Artikel so betroffen gemacht hat. Ich möchte ihn gerne mit dir teilen.

    Leserbrief an die SZ zum Artikel „Schwierige Haltung“ von Jan Stremmel
    Seit mehr als 20 Jahren schreibe ich Bücher und Artikel über Yoga und Meditation für unterschiedlichste Medien im In- und Ausland – unter anderem für YOGA AKTUELL. Darüber hinaus bilde ich seit vielen Jahren angehende Yogalehrer aus und fort. In all den Jahren lag mein Fokus darauf, ein Bewusstsein dafür zu vermitteln, dass alles miteinander verbunden ist. Es war mir immer wichtig, über Menschen zu schreiben, die Yoga praktizieren und versuchen, es so gut wie möglich in ihren Alltag zu integrieren. Vielen Menschen ist dies im Rahmen ihrer Möglichkeiten mal mehr und mal weniger gut gelungen. Die Yogaszene hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Stand früher die spirituelle Suche nach Erleuchtung im Vordergrund, so ist es heute primär körperliche Fitness, die im Mittelpunkt steht. Yoga ist zweifelsohne zu einem wachsenden Wirtschaftsmarkt geworden.
    Aber in all den Jahren habe ich noch niemanden getroffen, den ich als „rechts“ oder als „Rassisten“ bezeichnen würde. Vielleicht liegt es daran, dass ich selbst nicht diese Tendenzen habe. Es heißt ja, wenn du schwanger bist, siehst du nur noch Schwangere. Ich sehe viele Menschen, die Yoga machen, weil sie ihr Leben mit zunehmenden Herausforderungen besser bewerkstelligen möchten, mehr Selbstverantwortung für ihren Körper übernehmen möchten und einen tieferen Sinn in ihrem Leben erfahren wollen. Natürlich gibt es auch viele Narzissten und solche, die tun, als hätten sie die Weisheit mit Löffeln gefressen, aber weit davon entfernt sind, zu wissen, wie man das Wort „wir“ buchstabiert.
    Trotzdem hat mich der Ton des Artikels sehr erschüttert. Gerade jetzt sind viele Menschen froh, dass sie online Yogakurse besuchen können. Ein solcher Artikel führt in meinen Augen nicht nur zu einer Spaltung innerhalb der Yogaszene, die es – so, wie in dem Artikel benannt – sowieso noch nie gab. Es gibt verschiedene Strömungen, aber keine einheitliche Szene. Er treibt in meinen Augen die Polarisierung in der Gesellschaft noch ein gutes Stück voran. Und schreckt möglicherweise solche Menschen ab, Yoga auszuprobieren, die jetzt unter Einsamkeit, Rückenschmerzen oder anderen Problemen leiden – denn nun haben sie vielleicht Angst, durch Yoga in ein rechtes Milieu zu rutschen.
    Der Artikel hinkt an so vielen Stellen, aber ich möchte darauf nicht eingehen. Schade finde ich einfach, dass in einer Zeit, in der Yoga so viel Unterstützung geben kann, der Graben zwischen Menschen vertieft wird.
    Ich glaube, es ist höchste Zeit für uns alle, zu realisieren, dass wir im selbst Boot sitzen. Und zwar nicht in der Arche Noah, sondern in einem ziemlich morschen Boot, das im Begriff ist, den Bach herunterzugehen. Solche Artikel hauen nur noch ein weiteres Loch in den sowieso schon sehr morschen Boden. Wäre es nicht besser, wir besännen uns endlich darauf, was wir gemeinsam haben? Wäre es nicht sinnvoller, nach kreativen Wegen aus dieser Krise zu suchen, statt mit Hetze und Vorwürfen zu reagieren?
    In meinen Büchern, Artikeln und Seminaren fordere ich die Leser oder Teilnehmer immer auf, ihren gesunden Menschenverstand nicht am Eingang des Seminarzentrums abzugeben, um dann einem Guru blind zu folgen. Das Gleiche sollten wir, so finde ich, auch nicht mit anderen Autoritäten wie etwa Politikern tun. Deshalb ist ein gesundes Hinterfragen der vielen nutz- und sinnlosen Maßnahmen in dieser Zeit weit entfernt von brauner oder rechter Geistesgesinnung. Und dass Menschen, die jahrelang in ihre Ausbildung als Yogalehrer investiert haben, sich kritisch äußern, frustriert sind und um ihre Existenz bangen, finde ich vollkommen verständlich. Vor allen Dingen dann, wenn ihre Existenz auf dem Spiel steht. Sie mit der rechten Szene in eine Ecke zu drängen, finde ich sehr bedenklich und traurig.
    Ich glaube, dass wir uns mehr auf die Essenz des Yoga besinnen sollten. Die Wurzel des Sanskrit-Begriffs Yoga, yuj, bedeutet „zusammenführen“. Damit war ursprünglich der Ochsenspanner gemeint, unter dem die beiden Ochsen geführt werden, um den Karren zu ziehen.
    Vielleicht wäre es sinnvoller und zielführender, wenn wir uns alle als Ochsen begreifen, in dem Sinne, dass wir nur gemeinsam den Karren aus dem Dreck ziehen können. Egal ob weiß, schwarz, grün, gelb oder rot. Lasst uns endlich Brücken bauen und aufhören, den Graben noch zu vertiefen. Lasst uns endlich nach dem suchen, was uns alle als Weltenbürger verbindet.
    Mit freundlichen Grüßen
    Doris Iding Doris Iding

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