Being in the wild – deutsch/English

Sie sagen er sei verrückt. Er lebe oben im Dickicht des Urwaldes am gegenüberliegenden Hang des 2000m hohen Berges. Er habe die vielen Kilometer (genau wieviele???) eine Lautsprechanlage hinaufgetragen und beschalle seitdem, meistens nachts, das Tal und die gegenüberliegende Bergwand, auf der wir leben. Es kommt je nach Windrichtung eine Brise mit Musik herübergeschwebt, auch um 3 Uhr oder gerade um 3 Uhr durchdringen indischen Melodien die Schwärze einer mondlosen Nacht. (Mein Schreiben musste ich unterbrechen, ich musste gerade die Affenherde verscheuchen, die jetzt sogar in die Küche eindringt und ein u.a. Ei gestohlen hat. Diese Affen sind aufdringlich, sie haben keine natürlichen Feinde und wir sind machtlos.)

Die Musikbeschallung ist deshalb derart krass, weil hier die große Stille umfängt und die Sinne beruhigt. Internet geht selten. Wir sind abgeschnitten von dem, was in der Welt passiert, denn das Hier und Jetzt nimmt voll in Besitz und die Stille ist kraftvoll, gerade im Gegensatz zu dem dann und wann, dem mal leiser, mal lauter, der Lieder.  Wenn über uns die vom Tag blinden Sterne auf ihr Licht warten und die dichtgewachsenen unterschiedlichen Laubbäume meinem Blick diese ruhige Anmut offenbaren, fühle ich mich plötzlich unbelastet und seltsam frei wie nirgends sonst auf der Welt – trotz dem unerwünschten Gedudel von dem Berg gegenüber.

Wir hoffen und wünschen das wir BASE in eine neue Phase führen können. Wir haben nun mehr als 12 Jahre Erfahrung und Bekanntschaft mit diesem Fleckchen Erde und all den Problemen gemacht. Wir haben nochmal ein großes Gelände von den wuchernden Lanterna Sträuchern freigelegen lassen in unserer Abwesenheit. Bhagyan stellt gerade ein rundes Lehmhaus fertig, mit einer Aussicht, die das Herz beflügelt. Vielleicht wohnt dort als erstes ein englischer Gärtner! Er kommt in zwei Wochen mit der Yogagruppe aus UK. Wir lassen gerade ein Solaranlage neben der Hütte installieren. Die Kirche hat ein großes Stück Land geschenkt bekommen und die rechtlichen Übertragungen sind abgeschlossen. Es gibt ein Dokument in dem steht, dass sie die neuen Grenzen respektieren und keine weitre Forderungen stellen werden. Sie haben letztes Jahr in der Ostermesse uns als wunderbare Förderer der Kirche (Patronens) vor der Gemeinde dargestellt. Jetzt müssen sie uns nur noch heiligsprechen!!!

Die größte Herausforderung – nicht nur hier – bleiben die Menschen. Der Verrückte oben am Hang – spiegelt er nicht viele Politiker, nennen wir sie Herrscher, unserer Zeit wider? Bewahrheitet und intensiviert sich nicht – was John Lennon schon vor Jahrzehnten sagte: ‚we are ruled by meniacs for meniac reasons‘. Schreihälsen, die die Welt beschallen, Streithähne, Egozentriker und Wahnsinnige, die Leid durch Kriege aussenden; nicht um Gerechtigkeit zu verteidigen, sondern um Land zu gewinnen. Das koloniale Denken bleibt auch in unserer Zeit als bestimmende Geisteshaltung.

In Base, wie oben angedeutet, steht ein Wechsel an. CitraVel, die treue Seele, der langjährige Mitarbeiter, kam vor 2 Wochen mit Nierenversagen im Krankenhaus, dazu dann in die Intensivstation mit leichten? Infarkt. Er war dem Tod nah. Jetzt ist er in seinem Dorf Wadapati unten im Tal und kann erst mal nicht hierher zurück. Eventuell muss er wöchentlich an die Dialyse. Seine Familie hat auch ein wenig zu seinem gesundheitlichen Abbau beigetragen. Die gerade mal 15-jährige Tochter mit Schwangerschaftsabbruch, gleich darauf einer neuen Schwangerschaft und dann die Geburt eines sehr kleinen Frühchens, mit dem zwar gleichen Mann aber aus der falschen Kaste, den sie wohl sehr lieben muss. Sie leben mittlerweile zusammen, aber er stammt aus noch ärmeren Verhältnissen als CitraVel. Das alles bringt für europäische Menschen unglaublichen unverständliche Konsequenzen für CitraVel, den Vater, der von dem Rest seines Clans geächtet wird. Einheiraten in andere Kasten, dazu noch in niedriger eingestuft, ist immer noch tabu in den meisten Bevölkerungsschichten Indiens.

Dann CitraVels Sohn Raja, der jetzt ein Jahr hier gearbeitet hat, er trinkt zu viel und schlägt seine Frau, bewirft sie sogar mit Steinen, trotz zwei kleiner Kinder, und hat scheinbar selbst seinen Vater CitraVel bedroht. Das ist alles krass, was wir von Aragaamma hören. Sie ist die einzige Arbeitskraft die derzeit hier ist. Wir mussten Raja umgehend rauswerfen. Und Rajas junge Frau (gute Köchin) kann nicht allein hier sein, denn mit den zwei sehr kleinen Kindern kann sie gar nicht kochen für die Gruppen, die kommen. Und sie will zurück zu ihren Eltern in ihr Heimatdorf und wird Raja verlassen. Sie hat ihn schon angezeigt. Nun haben wir wieder keine Köchin für die Gruppen.

Gestern hat sich ein neues Paar vorgestellt. Am Sonntag kommen sie für 4 Tage erstmal und schauen sich die Arbeit an. Diese beiden Menschen sind gebildeter, sie spricht englisch – das bedeutet auch in unserer Abwesenheit können Gäste hier kommen -, dazu ist er Fahrer und kann unseren Jeep fahren. Aber kann sie kochen für so viele? Oder sind sie eine Luftnummer? Wir halten Ohren offen für noch andere. Die elementaren Problemen der sehr, sehr armen Schicht Indiens heißt immer ein Drama zu bewältigen. Es hat uns so viel Energie gekostet neben dem Leben in einer uns unbekannten Wildnis. Wir sind keine Missionare, die denken, wir könnten deren Leben verbessern, ändern oder korrigieren. Der Umbruch in Indien kann nur politisch sein. Aber die Herrschenden sind von den Unwissenden und oft Ungebildeten gewählt – und das nicht nur in Indien. Und das stellt die Frage: funktioniert Demokratie noch oder überhaupt weltweit? Wenn Wähler manipuliert oder mit einfachen Lösungen für komplexe Systemumstellungen betäubt werden.

Wie kann man poetisch über die Mitarbeiter in Base schreiben, die nun mal aus einer Schicht kommen, die Geld nicht kennen, nicht verstehen. Geld ist etwas für sie, dass man im großen Stil ausleiht, auch wenn man dann wahnsinnige – bis zu 80% –  Zinsen  zahlen muss.  Denn was sie durch ihre Arbeit verdienen, bringt nicht viel ein in dieser Welt, der wir angehören. Auch das neue Paar, es hat zwei Kinder und sich ein Haus gebaut, aber dermaßen damit verschuldet, ist in dieser Falle. Wir brauchen aber sie und sie wiederum uns.

Unser Nachbar Xavier ist im Ruhestand und baut keine Bohnenfelder mehr an und braucht kein Wasser mehr vom Fluss und Base hat jetzt richtig viel Wasser, die Speicher laufen über. Das ist die gute Nachricht. Denn unsere Anpflanzungen sind gewachsen und die vielen jungen Bäume – Mahagoni, Rosenholz, Teakholz u.v. andere – stehen da wie Prinzen und Prinzessinnen eines wundersamen Reiches da. Bald werden sie Könige und Königinnen sein und dann über allem thronen und uns Mitgefühl und Freude schenken.

Das war mein update. CitraVel kann (aber ohne seine Töchter und Söhne) später, wenn er wieder gesundheitlich auf Höhe ist und möchte, gern hier in einer unserer kleineren Hütten oder Häuser leben. Base kann für seine basic needs sorgen. Er war auch sowas wie der Schamane des Ortes und es ist so viel Wald und Anpflanzung entstanden mit und durch ihm. Er kann hier immer sein, auch wenn er nicht mehr arbeiten kann. Aber manchmal muss man sich von Angehörigen befreien und diese ihren Weg gehen lassen. Jeder hat sein karma.

BASE ist nicht für alle geeignet, es ist ein ungeheuer karmischer Ort. Er fordert uns an die eigenen Grenzen zu gehen und das zieht auch Yoga übende Menschen in Bann. Nirgends habe ich solche Träume, sehe solche bunten Vögel und andere wilden Tiere und werde mit einer Magie verbunden, die meinen Outlook ziemlich verändert. Tapas – eine wichtige Form des Yoga, die immer weniger betont wird in den Konsumgesellschaften, die kann man hier sich zu eigen machen und unter diesem Aspekt sich an die Natur anbinden. Diese dann mit Kunst zu verdichten hat schon der Philosoph Spinosa angepriesen. Aber lange, lange vor seinen Aussagen stand das schon in den Natya-Veden.

Es lebe BASE. Wir schaffen es!!! Irgendwie müssen wir trotz der großen Schwierigkeiten dran bleiben an diesem von uns eingeschlagenen Weg. Ach ja, ach jee!!!

Trotzdem es ist so entspannend – Widersprüche ohne Ende! Jetzt laufe ich 1 km zu Freunden und den nächsten Nachbarn um dies online zu stellen. Geniesst es aus dem immergrünen Wald der Western Ghats Südindiens.

Being in the Wild

They say he’s crazy. He lives up in the thicket of the jungle on the opposite slope of the 2,000-metre-high mountain. He carried a loudspeaker system up there for many kilometres (exactly how many???) and has been broadcasting sound into the valley and across to the opposite mountain face where we live, mostly at night. Depending on the direction of the wind, a breeze carries the music across. Even at 3 a.m., or just after, Indian film melodies pierce the darkness of a moonless night.

(I had to interrupt my writing because I had to chase away the herd of monkeys that has now even invaded the kitchen and stolen an egg, among other things. These monkeys are intrusive; they have no natural enemies, and we are powerless.)

The music is so striking because of the great silence here, which envelops and calms the senses. And the silence is powerful, especially in contrast to the occasional songs—sometimes quieter, sometimes louder. The internet rarely works. We are cut off from what is happening in the world. During the day, when the stars—blinded by the sunlight—wait above us to shed their light again, and the densely grown deciduous trees reveal their quiet grace to my gaze, I feel unburdened and strangely free, as nowhere else in the world.

We hope and wish that we can lead BASE into a new phase. We now have more than 12 years of experience and familiarity with this little corner of the world and all its problems. Once again, we have had a large area cleared of the rampant lantana bushes during our absence. Bhagyam is currently finishing a round mud house with a view that lifts the spirits. Perhaps an English gardener will be the first to live there! He is coming in two weeks with a yoga group from the UK. We are currently having a solar system installed next to the hut.

The church has been given a large piece of land – we acquisced, there was no way of stopping their intimidation and illegal demand –  and the transfers have been completed. There is a document stating that they will respect the new boundaries and make no further claims. Last year, at Easter Mass, they presented us to the congregation as wonderful supporters of the church—patrons. Now all they have to do is canonise us!

The greatest challenge—not only here—remains people. The madman up on the hillside—does he not reflect many politicians, let us call them rulers, of our time? Is not what John Lennon said decades ago proving true and intensifying: “We are ruled by maniacs for maniacal reasons”? Loudmouths who fill the world with noise, quarrelers, egocentrics, and madmen who spread suffering through wars—not to defend justice, but to gain land. Colonial thinking remains a driving mindset in our time.

As mentioned above, change is coming at BASE. CitraVel, the loyal soul and long-time employee, was admitted to hospital two weeks ago with kidney failure and then transferred to intensive care after a mild heart attack. He was close to death. Now he is in his village of Vadipatti down in the valley and cannot return here for the time being.

His family has also contributed, in some way, to his declining health. His 15-year-old daughter had an abortion, followed almost immediately by a new pregnancy and then the birth of a very small premature baby—with the same man, but from the “wrong” caste, whom she must love very much. They now live together, but he comes from an even poorer background than CitraVel. Marrying into other castes—especially those considered lower—is still taboo in most sections of Indian society. For Westerners, all this must be incredibly difficult to understand. But the consequence for CitraVel, the father, was that he was ostracised by the rest of his clan. Now, of course, they are all at his bedside, worrying about his ill health—the same ones who gave him the heartbreak.

Then there is CitraVel’s son, Raja, who has been working here for a year. He drinks too much and beats his wife, even throwing stones at her, despite having two small children. He apparently even threatened his father. Everything we hear from the people around us is shocking, including from the only woman currently working here. We had to dismiss Raja immediately.

Raja’s young wife—a good cook—cannot remain here alone, because with two very small children she cannot manage cooking for the groups who come. She wants to return to her parents in her home village and leave Raja. She has already reported him to the authorities. Now we have no cook for the groups again.

Yesterday, a new couple introduced themselves. On Sunday, they will arrive for four days so that we can observe their work. She speaks English—which means guests can visit even when we are away—and he can drive and operate our jeep. However, can she cook for so many people? We are keeping our ears open for others.

The basic problems of India’s very poor always mean dealing with drama. It has taken so much energy from us, on top of living in a wilderness that is unfamiliar to us. We are not missionaries who think we can improve, change, or correct their lives. The upheaval in India can only be political. But those in power are elected by the ignorant and sometimes uneducated—just as elsewhere in the world. And that raises the question: can democracy truly work, or even exist worldwide, when voters are manipulated or numbed with simple solutions to complex systemic problems?

How can one write poetically about the employees at BASE, who come from a class that does not know or understand money? For them, money is something you borrow in large amounts, even if you then have to pay insane interest rates of up to 80 percent. What they earn through their work does not sustain them within the system to which we all belong. The new couple, too, has two children and has built a house, but they are so deeply in debt that they are caught in this trap. But we need them, and they need us.

Our neighbour Xavier is retired and no longer cultivates beans, so he no longer needs water from the river. BASE now has plenty of water; the reservoirs are overflowing. That is the good news. Our plantations have grown, and the many young trees—mahogany, rosewood, teak, and many others—stand there like princes and princesses of a wondrous kingdom. Soon they will be kings and queens, enthroned above all else, giving us comfort and joy.

That is my update. CitraVel—without his daughters and sons—is welcome to live here in one of our smaller huts or houses later, when he has regained his health and wishes to return. BASE can take care of his basic needs. He was also something of a local shaman, and so much forest and vegetation has grown with and through him. He can always be here, even if he can no longer work. But sometimes you have to let go of loved ones and allow them to follow their own path. Everyone has their karma.

First female cow after 5 male born in BASE last year. Laksmi has Vaanalakshi as a daughter, also a Kangai bread, a very ancient species to the south hier. Base is not    isnot suitable for everyone; it is an incredibly karmic place. It challenges us to push our own boundaries, and this also attracts people who practise yoga. Nowhere else do I have such dreams, see such colourful birds and other wild animals, and connect with a magic that completely changes my outlook. Tapas—an important form of yoga that is increasingly neglected in consumer societies—can be embraced here and used to connect deeply with nature.

to put this on the net I had to walk 1 km to friends and next neighbours! Do enjoy reports from the sunny evergreen hills of the western Ghats of South India

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