India 26

India 26

Die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Leben fließt allgemein langsamer und entspannter auch in Notlagen, denn die gehören hier dazu. Der Sandstrand ist weg, dass Meer soweit ans Land gekommen, dass es gegen die hohen Mauern der ersten privaten Besitztümer anstürmt. Das Meer hat sich verändert und in den letzten Jahren sind circa 200 m Sandstrand an unserer Küste vom Meer eingenommen worden.

Bis zum Haus meiner Lehrer Shanta und Dhananjayan ist es nur eine halbe Stunde Fußweg. Ich kann südlich den Strand entlang gehen, gerade noch, solange es noch den Strand gibt, und nicht die Mauern der privaten Besitztümer im Wasser stehen. (Es ist gegen das Gesetzt so nah am Strand zu bauen. Es gibt gute Gesetzte in Indien, aber Reiche und Mächtige folgen denen nicht.)

Akka, so wie ich Shanta nenne, und Anna, so wie ich Dhananjayan nenne sind 83 und 87 Jahre alt. Sie sind in wundersamer Weise aufgeräumt und es ist berührend sie zu sehen. Allein die Hände und Füße von alten Tänzern sind nicht nur wunderschön anzuschauen, auch erzählen sie Geschichten, die fantastischer und geheimnisvoller wirken als die billige und schreiende Unterhaltung via Instagram und anderen Medien. Gestern waren Sriram und ich so glücklich, diesen wundervollen Menschen gegenüber sitzen zu können. Und heute habe ich angefangen wieder zu tanzen. Hier liegt die Inspiration in der Luft.

Mein neues Buch ‚Footprints of eternity – Ramayana reimagined‘ wird, wenn alles gut und nach Plan läuft, am 16. März in einem ‚Book-launch‘ im Goethe Institut in Chennai vorgestellt werden. Es waren drei Jahre die die Überarbeitung, und Übertragung ins englische gebraucht hat. Die wunderbare Diana Chambers aus Essex hat mich dazu angeregt und sie hat sich ins Zeug gelegt, um es in ein feines Englisch zu bringen. Satz für Satz hat sie überarbeitet. Und nun – soll ich es per Instagram und anderen Medien bewerben? Eine Kampagne starten? Brauche ich eine solche Werbe-Aktion oder widerspreche ich mir damit? Denn ich habe ja gar keinen Marktwert so wie ich lebe und bin.

Meine Schwiegermutter wird dieses Jahr 99 und brät noch dosai. Sie lebt in ihrer eigenen, aus ihrer Sichtweise eingegrenzten Welt, hat diesen Schicksalsglauben, oder respektiert das Karma der anderen, und blickt auf die Dinge aus ihrer praktischen Sicht. Das ist auch sehr berührend. Sie altert auf ihre Weise genauso würdevoll wie meine Lehrer. Man lernt in Indien schnell das Alter der Menschen zu verehren. Es kann Jüngeren die Angst vor vielen Dingen nehmen, es sei denn, diese altern und ersticken dabei an Eigenliebe, die als Konsequenz Selbstmitleid, vielleicht sogar Demenz und auf alle Fälle Starrsinn mit sich bringt. Aber wenn ältere Menschen flexible sind und sich anpassen an ihre Lebensumstände, dann zeigt es, dass es menschliche Würde geben kann und Hoffnung besteht. Hören und besuchen wir solche Menschen, finden wir Leichtigkeit und Frohsinn. Und wir wissen, dass es Frieden geben kann.

‚We have no right to dirty the planet with our our trash…‘sagte Rolling Thounder, ein alter Medizinman. Das habe ich meiner neuen Buchpublikation vorangestellt. Es geht darum auch nach Regeln zu leben. Menschen die solchen dharmischen Regeln in ihrem Leben befolgt haben bekommen auf ganz besondere Weise dann auch diese Grazie im Alter.

Und ich brenne dafür einfach und asketisch zu leben, obwohl man gezwungen wird, doch so einiges sich anzuschaffen. Jetzt jedenfalls bin ich freudig aufgeregt – wie wird das Buch aussehen und wie wird es ankommen.

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