Yogini Mahadevi Akka

ich hatte das Erlebnis noch einmal öffentlich zu tanzen.  Begleitet von  dem Geiger Radhakrishna (der auch auf der CD Heilende Klänge zu hören ist) und Sriram mit Mantras und Gesang im schönen Saal von Schloss Elmau kurz vor der Mittsommernacht war es ein großartiges Erlebnis. Dazu habe ich die Gedichte der Mystikerin und Yogini aus dem 12. Jahrhundert aus Südindien vorgetragen und getanzt. Ich habe diese Gedichte aus dem Englischen übersetzt. Sie stehen für den weiblichen Bhaktiweg im Yoga. Sie sind bisweilen heftig. Sriram fragte mich, können diese Gedichte die Yogafrauen von heute verstehen? Als ich die Gespräche von Yoga-Teilnehmern überhörte – da geht es um Muskelzerrungen, die Reaktionen der Haut auf Asanas, die Orthopädie, Aryuvedakuren im Vergleich, und das wellbeing des Einzelnen, sowie um Preisvergleiche verschiedenster Yogacamps….ich dachte dann: „nein!“

Atme nach Prana

Wer braucht Blumen?

Mit Friede Geduld Vergebung und Selbstvertrauen

wer braucht ein ultimatives Asana?

Die ganze Welt ruht in sich selbst

Wer braucht Stille?

Aber so ist das nicht, es gibt nicht die Yogafrauen, und einige wenige Yogamänner. Es gibt ein unterschiedliches Spektrum von Menschen und Teilnehmern, wenn auch nur wenige tief auf der Suche nach Selbstvergessenheit und ein sich Einfügen in die großen Geschehnisse sind, – die meisten sind  um sich selbst besorgt und nennen es Yoga.

Ich liebe den Gutaussehenden

er hat keinen Tod, ist nie am verwesen,

hat keine Form, keinen Platz, kein Ende und keine Geburtsmerkmale.

Ich liebe den Schönen

ohne Fessel und ohne Furcht

ohne Sippe und ohne Land

Grenzenlos ist seine Anziehung.

Wo Gott ist, weiß wie Jasmin

ist mein Ehemann.

Nimm die sterblichen Ehemänner, die Verwesenden

und schüre damit dein Küchenfeuer

Ich denke mit nostalgischen Gefühlen an die Hippie-zeit zurück (70er Jahre) Wie wir alles was künstlerisch aus Indien kam aufgesogen haben, die Musiker, die Sitar, die Trommler, die Zeichnungen, die Gedichte und uns um jedes Konzert geschart haben…..heute dreht es sich eher um Aryuvedacremen und sexy outfits für sich selbst, ausgefallene Diäten und eigenes simples Kirtana-mitsingen, das oft schlechter ist als was noch in unseren Kirchen gesungen wird. Es tut sehr weh, das die Yogawelt das künstlerische außen vorgelassen hat. Diese Amerikanisierung des Yogas mit ihrem Konsumwelten hat nicht so den Zugang zur indischen Kunst. Und damit geht ein Stück Authentizität im Yoga verloren.

6 Kommentare

  1. Liebe Anjali,
    wir brauchen alle Blumen

    Mir gefällt dein Satz „wenn auch nur wenige tief auf der Suche nach Selbstvergessenheit und ein sich Einfügen in die großen Geschehnisse sind, – die meisten sind um sich selbst besorgt und nennen es Yoga“ und wie du ja auch schreibst, es gibt eine große Bandbreite … und jeder kleine Funke kann doch noch zum Feuer werden.
    Die 70er Jahre hätte ich auch so gerne bewusster erlebt

    Mit Friede Geduld Vergebung und Selbstvertrauen,
    Sandra

    • Sandra Du hast Recht.Wir brauchen alle Blumen.
      Meine Übersetzung ist ungenau;
      Atme prana – wer braucht den Blumenduft? Ist besser als Übersetzung
      Denn in prana ist aller Duft schon enthalten
      Das ist das geheime Wesen des prana.

      Die sinnliche Wahrnehmung ist Teil des prana – sagt Mahadevi Akka,
      folglich kommt die Askese für den Übenden von selbst und muss nicht intellektuell erzwungen werden.

  2. Liebe Anjali,

    vielen Dank, dass du diese jahrhunderte alte weibliche poetische spiritualität mit uns teilt. Sie beflügelt unsere Seele und es gäbe eigentlich ganz und gar nichts mehr hinzufügen wenn es nicht dieser letzter Satz über die sterblichen Ehemänner, die sehr männer feindlich klingt – denn auch sie sind göttlich und tragen dieser Keim göttlichkeit in sich – gäbe. (Wenn ich diesen Vers richtig verstanden habe!). Aber nun ist es doch so, dass Mystikerinen auch Menschen sind und selbst dem „irdischen Einfluss“ nicht ganz entziehen können…

    Gibt es von ihr weiteren Gedichten (vielleicht ins Englische übersetzt)?

    Es ist wahr, dass es bei viele YOGA Übenden nur den „persönlichen“ Aspekt im Vordergrund steht, aber viele anderen sind auf der Suche nach Erfüllung um über sich selbst zu wachsen und sie brauchen Unterstützung auf diesem Weg. Danke, dass ihr uns diese Unterstützung auf verschiedene Weise zukommen lässt.

    Ganz herzlichem Dank und Gruß,
    Claire

    • Liebe Claire,
      akka war nicht männerfeindlich, sie war der Friede selbst. Sie wurde mit 12 Jahren von einem unbekannten Guru eingeweiht und verfolgte seitdem einen yogischen Weg – und hat sich mit der Allmacht – die sie als „Gott weiss wie Jasmin“ beschreibt – innerlich vermählt. Damit ist sie dem alten Weg des matriarchaischen Devadasikults, (der in meinem Tanzbuch beschrieben ist), gefolgt und hat sich die Freiheit genommen auf ein bürgerliches Leben zu verzichten. Sie wurde von ihren Eltern jedoch gezwungen den mächtigsten Mann, den Landesfürst zu heiraten, der obendrein noch ein Agnostiker war. Durch die starke Gier dieses Mannes nach ihrem Körper reflektierte akka über das Sein und entledigte sich aller Kleider und lief nackt nur mit dem Haar bedeckt von dannen. Die größten Gelehrten und Mystiker fragten die umherwandernde Yogini , „warum hast du dich deiner Kleidung entledigt, meinst du, Du könntest dich damit der Illusionen entledigen?“ Sie gab darauf hin eine großartig philosophische Antwort und wurde in den Kreis der männlichen Yogis aufgenommen.
      Wenn sie abfällig über die „sterblichen Ehemänner“ spricht, meint sie damit jedes sterbliche weltliche Leben, das sie verbrennen will, JEDE LUST UND -GIER, um sich ganz dem spirituellen Pfad hinzugeben. Sie spricht in Bildern die es zu verstehen gilt….ich werde weitere Gedichte von akka hier veröffentlichen. Ich glaub nicht dass jemand sie bisher ins deutsch übersetzt hat. Sie erschienen aber auf englisch unter dem Titel SPEAKING OF SIVA – IN PENGUIN CLASSICS.
      Liebe Grüße
      anjali

  3. Liebe Anjali,

    vielen Dank für die Erklärung des Verses und die Erläuterung des Lebens Mahayogini Akka – es ist doch wichtig die Biographie zu kennen um die Grundlage des Erlebtens + Geschriebenens zu verstehen… Es ist wunderbar wenn du die Gedichten auf Deutsch übersetzt und uns weiter an dieser Reichtum teilnehmen läßt.

    Herzlichst,
    Claire

  4. Wow,

    wunderschön.
    Ich warte auch darauf das „Blumenregen“ die Übersetzungen über Sri Akka von dir zu hören Anjali.
    Sehr dankbar…..

    bea.

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