Weltyogatag

 Modi sagt:
„Wenn wir unser Bewusstsein durch Yoga ändern, kann das bei Klimawechsel helfen“
 und wenn seine Regierung in naher Zukunft gleichzeitig  554 Kohlkraftwerke zu bauen plant (Zitat Frankfurter Rundschau) – und er mit seinem  industriefreundlichen Kurs Indien zu einem die Umwelt sehr schädigenden Land machen will, zeigt, wie faschistisch seine Regierung mit dem Begriff Yoga umgeht.
Ich denke an den ehemaligen „Führer“  und seine Beziehung zur deutschen Mutter, zu Blut und Boden und wie die die  Weltenmutter herhalten musste um den  Muttertag auszurufen….
Modis Yogatag ist eine reine show off Veranstaltung….und leider gefährlich weil wieder so viele blauäugig mitmachen.
Und was Bhakti betrifft: Gott ist ein Begriff der im christlich geprägten Westen, auch bei Atheisten, eine völlig andere Bedeutung hat als in östlichen Erdteilen. Der Kosmos ist dort Gott, Mensch als Mikrokosmos ist auch Gott, sie sind nicht getrennt und daher ist Bhakti die Hingabe an das Dasein und nicht an einen festgelegten Gott. Das aus „krishna“ Sekten gemacht werden u. a. zeigt wiederum den politsch faschistischen Zug bei der Ausschlachtung der Begrfflichkeiten zugunsten machtpolitischer Zwecke und zum Strukturaufbau von unterdrückerischen Systemen.
anjali

5 Kommentare

  1. Dass Yoga zu einer Sensation gemacht wird ist nichts spektakuläres, nur: für Indien ist so etwas neu. In China wurde Tai Chi in der Kulturrevolution zu einem Massenereignis gemacht, der indische Premierminister Modi hat genau aufgepasst. So etwas stärkt das WIR Gefühl, etwas was der indischen Psyche teilweise ziemlich abgeht (weshalb es besonders absurd klingt, wenn Inder versuchen, sich an ein solches Gefühl zu klammern). Das ist in Modi’s Augen wirklich notwendig, um seine Macht auszubauen und mit der Konkurrenz von China und dem Westen bessere Erfolge zu zählen. Ja, und nun soll dafür das Yoga den Kopf halten! Aberwitzig, makaber!

    Der Wandel des Yoga in der westlichen Welt erlebe ich in den letzten beiden Jahrzehnten aus unmittelbarer Nähe. Amüsant fand ich, dass Yoga, den ich mit Einkehr, Einsamkeit (im philosophischen Sinn) und Selbstreflexion verbinde, zu einem Massengeschehnis verwandelt wird, das eben dieses WIR Gefühl erwirken soll. Seltsam auch, dass die Kommerz eine treibende Kraft für die Popularität des Yoga geworden ist, da Yoga mit der Kargheit und der Enthaltsamkeit sehr eng verbunden ist.

    Du kannst Dir ja die Reaktion in Indien vorstellen, wenn sich Yogaübende in großen Massen zirkusartig auf Times Square, Brandenburger Tor und wo anders posieren, um Yoga so zu einem Massenereignis zu machen. Da muss du den gereizten Inder verstehen, der sagt, “wenn Ihr das wirklich so wollt, dann übernehmen wir es bitte!!” Auch da hat Modi machtbewusst und zügig reagiert. Mit dem Yogatag aber ändert Modi das Verständnis in Indien von Yoga für alle Zeiten und päppelt dem kommerziellen WIR-orientierten Verständnis dieses Neuzeit-Yoga nach.

    Amüsant ist aber das alles nur bis zu einer gewissen Grenze. Ich teile nicht die Meinung, dass die Welt besser wird, wenn viele Menschen gute Vorsätze haben. Yoga zu üben mag ein guter Vorsatz sein, verändert aber nicht unbedingt einen Mensch. Ich bin sicher, dass es genug Menschen gibt, die wesentlich schlechtere Menschen geworden sind, weil sie Yoga üben: Selbstsucht, Fixationen, Einbildungen, körperliche Schäden, usw. Yoga als Haltung, im Körper so wie in der Psyche, ist in der indischen Psyche tief verwurzelt. Und wie schon J.K. bemerkte, wir sind ein sehr egozentrisches Volk mit einem mangelhaften Sinn fürs Gemeinwohl. Yoga als Zirkus kennen wir bei den vielen Sadhus und Hathayogis seit eh und je. Der moderne Westen hat in den letzten Jahrzehnten den Zirkusyoga zu einer neuen Dimension geführt. Jetzt sind wir bei Modiyoga gelandet. Really not amusing! Wirklich nicht amüsant.

  2. Liebe Anjali, lieber Sriram,
    ich möchte euch danken für eure Worte zum Thema „Weltyogatag“
    Von mir Gefühltes und noch nicht zu Worten Geformtes habt ihr hier ausgedrückt.
    Die Verlockungen und Angebote auf dem Markt sind groß und für mich gilt es noch deutlicher hinzuschauen, wie ich diesen „Beruf“ lebe ohne in diesen MassenYogaHype hineinzugleiten.
    Danke für die Impusle.
    Margit

  3. Liebe Anjali, lieber Sriram,

    ich danke euch für euren Beitrag.
    Ihr sprecht mir aus der Seele.
    Bin schon einige Zeit am Überlegen, wie ich weiterarbeiten werde.

    Für euch alles Gute
    Herzlichst Ellen

  4. Liebe Anjali, lieber Sriram,
    Geld und Kapitalismus sind eben der Motor und die Motivation in unserer Welt geworden. Macht über andere besitzen egal wo es hinführt und bricht das System zusammen sind kurzzeitig vielleicht menschlichere Werte gefragt.
    Yoga zu üben bleibt aber eine persönliche Angelegenheit, die mir auch Halt geben kann, wenn das System zusammenbricht. Aber der Pfad ist eben so schmal wie Messers Schneide und die Verwechslung ist eine alltägliche Übung.
    Es wird keine Pause geben von dieser Übung, höchstens nach dem Ausatmen — (ist mir gerade so in den Sinn gekommen, bitte nicht zu ernst nehmen)
    Liebe Grüße
    Peter

  5. Liebe Anjali,

    tausend Dank für Deinen Beitrag. Durch Zufall bin ich darauf gestoßen, aber er spricht mir aus der Seele. Dass Yoga in Indien zu von einer rechtsextremen Regierung für nationalistische Propagandazwecke instrumentalisiert wird, ist schlimm. Aber mindestens ebenso erschreckend finde ich die Dumpfheit der westlichen Yogaszene, die schon jubelte, als bekannt wurde, dass Modi einen „Yogaminister“ in sein Kabinett berufen hat und die den von ihm initiierten Weltyogatag dankbar und völlig unkritisch angenommen hat.

    Modi treibt seine Hindutva voran, obwohl oder gerade weil 150 Millionen indische Staatsbürger dem muslimischen Glauben angehören. Als besonders bitter empfinde ich in diesem Zusammenhang auch die Kungeleien des von mir einst sehr geschätzten David Frawley mit der indischen Regierung. Er propagiert in seinen Artikeln die „indigenous Aryan Theory“ und die Notwendigkeit eines neuen nationalen Erwachens in Indien. Dafür hat er sich dann den höchsten indischen Orden anheften lassen und wohl auch Zugang zur indischen Machtelite erhalten. (Aparigraha – hallo!)

    Dass die Amerikaner Modi, obwohl er vor einigen Jahren aus gutem Grund (Gujarat-Massaker 2002) nicht einmal einreisen durfte, mittlerweile hofieren, wo es nur geht, liegt daran, dass er Kapitalismus und Privatisierung Tür und Tor öffnet, aber auch daran, dass die USA in der Region sowohl ein Gegengewicht zu den islamischen Staaten (insbesondere Iran, Pakistan, Afghanistan) als auch zum immer selbstbewusster werdenden China brauchen. Modi treibt den Ausverkauf Indiens zu Gunsten einiger Superreicher voran, und genau so einen Ansprechpartner brauchen die USA.

    Ich praktiziere und unterrichte den traditionellen, indischen Yoga. Ich liebe die spirituelle Vielfalt Indiens und auch der übrigen Welt. Lange dachte ich, die größte Gefahr für die Yogalehre bestünde in der körper-und konsumorientierten Verwestlichung des Yoga. Doch nur erkenne ich, dass die Gefahr einer Vereinnahmung durch indischen Konservativismus und Nationalismus ebenso groß oder noch größer ist. Deswegen finde ich es notwendig, den traditionellen, spirituellen Yoga von dem politischen, rechtsextremen Hindunationalismus klar und deutlich abzugrenzen.

    LG Parameśvara

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