#metoo

Ja, me too:
als Kind vom Freund des Vaters, als Teenager in engen dunklen Straßen, als Studentin in Kalakshetra vom Superintendent of Studies, als Reisende von den Polizisten in Kerala usw. Geschichten, die ich nicht erzählen werde, – sexuell bedrängt, immer besser gewehrt und irgendwie mit einem blauen Auge davongekommen. Als Kind wird einen zu Schweigen befohlen, als Teenager lernst du zu rennen, bei einer funktionierenden höheren Betriebsordnung wie Unisystem möchtest du dich nicht als hysterisches Wrack hinstellen und vor der Polizei, ich bitte, was kann man andere tun, als mit List und Tücke das Weite suchen! Wie und wo sollen wir den die Männer zeitnah anzeigen? So geschieht es eben viele Frauen.

Kann sich ein Mann vorstellen, dass das Leben einer Frau darin besteht, sich immer und ständig vor Blicken und Angriffen schützen zu müssen, gleichzeitig aber eine „normale“ Sexualität entwickeln zu wollen, schön und attraktiv zu sein für ein Gegenüber, den Mann? Stress!!!
Doch das Hauptproblem offenbart sich jetzt und ist doch noch anders:

Mit unserer weiblichen und mit der männlichen Sexualität läuft etwas schief.

Wenn sich die Blicke von zwei gleichstarken, wenn auch zuweilen gegensätzlichen Begabungen und Bedürfnissen begegnen, entsteht Anziehung, wie beim Stromkreislauf, Positiv und Negativ trifft aufeinander und es funkt.
Seit langer Zeit sind Frauen nicht gleichstark, das war noch vor der Antike vielleicht! (die Historiker können das genau wissen)
Studien heute sagen nicht mal 5 Prozent des weltweiten Besitzes ist auf den Namen von Frauen registriert. Das macht sie eben nicht zu unabhängigen Gegenübern von Männern. Aber nicht nur das:
– Hexen wurden verfolgt
– Künstlerinnen als irrsinnig in die Klapse getrieben, während bei Männern Genie attestiert wurde
– Männer verdienen mehr bei gleichen Jobs (weltweit)
– Das Erbe geht an den Sohn.

Lust und Erotik kann also nie auf Augenhöhe stattfinden. Damit es den Männern (derzeit befinden sich männliche Freunde von mir auf irgendwelchen anprangernden öffentlichen Listen, weil die Wut anlässlich #metoo hochkocht bei Frauen… Männer die wirklich harmlos sind, und das was vor 20 Jahren geschah auch auf Missverständnissen beruhen kann – und weil das trivial ist, mit was einst vielleicht unangenehm war, in dieser Zeit nun herbeizukommen, auch ablenkt von dem was eigentlich an der Zeit ist und gefordert werden muss),
also: damit es die Männer dämmert, sie brauchen genauso wie die Frauen Gleichberechtigung – nicht zu verwechseln mit Gleichmacherei, die derzeit modisch betrieben wird und Frauen dabei vermännlichen –
müsste sich endlich folgendes ändern:
1. Ein Stopp der Werbung mit der weiblichen Sexualität und zur Schaustellung ihres Körpers um auch noch den letzten Autoreifen zu verkaufen. Auch wenn Ihr sagt: Werbung sehe ich nicht mehr, wirkt sie auf Eurer Unterbewusstsein. Werbung hat die Frau zum Opferlamm gemacht und schlachtet sie für Konsum und Wirtschaftswachstum. Eine Umfrage ergab das 90% der jungen Mädchen sich hässlich vorkommen, wenn sie vor den überdimensionalen Bikinibildern mit den unnatürlich schlanken Fotomodels an der Bushaltestelle in ihren dicken Mänteln frieren. Mädchen manipulieren deshalb ihre Bikinibilder und stellen sie auf Instagram um sich nicht schäbig zu fühlen, um dabei zu sein. (siehe auch merionwest.com 2017/The next step for #metoo)
2. Ein Stopp der Filme, die brutale Vergewaltigungen zur Belustigung und Unterhaltung der Zuschauer zeigen. Es wird dunkel, die Musik heftig, eine schöne junge Unschuldige wird ins Eck gedrängt und man ahnt, gleich kommt der Vergewaltiger oder mehrere. (Indien hat die größte Filmindustrie der Welt, fast jeder Film hat als Standard diese Szenen, während bis vor kurzem Küssen von Liebenden zu zeigen tabu war!) Das schauen sich Millionen Leute mit Kindern an. Sex ist hier gruselig, es gibt Gänsehaut und auch wenn der Böse gehängt wird zum Ende des Films….man hat sich mit einer kranken perversen Sexualität längst infiziert und sie lebt weiter im Kopf. Wen wunderst wen Vergewaltigungen auch im Leben gibt. Andersrum werden in westlichen Filmen Frauen als Männerverschlingende Böse, die sehr sexy sind und der die Kerle oder der Kerl ins Netzt gehen oder geht dargestellt, auch das ist pervers. Wo bleiben lustvolle Filme mit einer Erotik die befreit und erhebt?
3. Literatur. Männliche Beschreibung ihre Lust und ihres Verlangens! Wo sind die weiblichen Konterfeis? Bücher, die Frauen in sexuell erniedrigenden Lagen beschreiben sind Mega – Mega – Beststeller und werden vielfach von Frauen gelesen. Wer manipuliert hier? Darstellung der Sexualität als abhängig machend, machtgeil, gewalttätig, obszön, geschmacklos und daher bös darzustellen?
4. Abkehr von gängigen Religionen. Die meisten sind Sekten die weibliche Sexualität unterdrücken zugunsten des (politisch) herrschenden Mannes. Sie verpönen Lust.

Ich klage Kulturschaffenden an: seht den Akt der Liebe als Befreiung und nicht nur kitschig für triviale Romanheftchen.

Die Tänzerin der indischen Hochkultur feierte die Erotik als höchste, lustvolle, als göttliche Stufe des Menschseins. Aber wo sieht man noch mal so etwas aus dieser alten Kultur in den Medien? Wo ist der Ruf: Zurück zum Matriarchat damit Männern wieder Männer werden, damit es ihnen bessergeht. Denn die Verfilzung der Männer derzeit untereinander, die auf keine Fälle das ökonomische System ihrer Organisation/Betriebs schädigen wollen und deshalb geheime Mitwisser ihrer abartigen Kollegen oder Chefs bleiben, ist doch was die ganze Dekadenz des Patriarchats aufzeigt..
Frauen gehört ein Anrecht auf Grund und Boden, sie müssen in den Besitz der Quellen kommen, bevor Konzerne sie weltweit wegschnappen, sie sind die geistigen Autoritäten, die derzeit fehlen.
Wir brauchen nicht nur Chefs als Frauen, vielmehr Frauen in noch höherer Stellung etwa als Aufsichtsrätinnen, die endlich die Chefs wieder kontrollieren.
Unsere großen schönen erotischen Frauen vom Film sagen zu #metoo: „Was soll diese Nachrede jetzt, warum sagtet ihr nicht wie wir einst: „mit so einem fiesen Schwein arbeite ich nicht?“ Die führenden Filmschauspielerinnen sind nicht nur schön und selbstbewusst, die ihre Rollengeber heiraten und die sich wieder scheiden lassen zu ihren Gunsten, wenn’s nicht passt; sie wissen um die weiblich Macht, wie die weibliche Sexualität funktioniert und sind von Haus aus die wenigen Privilegierten.
Warum fehlt das Selbstbewusstsein Milliarden von Frauen?
Warum gibt es wenige Bardots, Deneuves, Jolies, Binoches?
Und was wir jetzt brauchen ist #youtoo, denn „you“ sind die Männer. Nicht nur die mutigen Schwulen, sondern auch die nicht schwulen Männer sollen endlich an dieser Debatte teilnehmen.

7 Kommentare zu “#metoo
  1. Angela Herbst sagt:

    Eine sehr erfreuliche Lektüre, vielen Dank für diese mutige Stellungnahme. Als Frauen wollen wir keinen Krieg sondern gegenseitigen Respekt. Dass die Debatte eröffnet ist, kann man nur begrüssen, Frauen sollten sich aber nicht als Opfer darstellen und auch noch auf so vulgäre Art und Weise.
    Total unannehmbar ist allerdings, was manche Männer sich mit Kindern, Mädchen oder Jungen, erlauben, wo dann nur Scham und Schweigen übrigbleibt.
    Wer kümmert sich darum ?

  2. Charis Nass sagt:

    herzlichen Dank für diesen Text! Spricht mir aus dem Herzen!

  3. Leia sagt:

    Catherine Deneuve musste ihre erste Reaktion in der Öffentlichkeit zurück nehmen. Der Druck war zu hoch. Sie sagte, dass der Flirt aussterben wird, auch wenn mal ein Mann vor zwanzig Jahren die Hand aufs Knie einer Frau gelegt hat, ist das nicht ein Grund sein Leben zu ruinieren. Ich denke auch, es gab genug Frauen, die jetzt aufschreien aber früher einiges in kauf genommen haben, was ihrer Karriere förderlich war.
    Natürlich ist die Debatte gut. Auch ich habe Schlimmes erlebt. Aber nichtsdestotrotz finde ich es nicht hinnehmbar, wie selbstgerecht sich die Frauen nun zusammenschließen, mit einer Helikoptermoral, die langsam alles beherrscht. Für mich ist es der gleiche Geist in dem ein Lehrer in England entlassen wird, weil er gesagt hat: „Well done Girls“ weil in der Gruppe eine transsexuelle Person war, die geklagt hat.
    Dieses ewig selbstgerechte Gehabe wird langsam pervers.
    In Amerika sind in großen Firmen die Türen geöffnet wenn ein Mann sich mit einer Frau zum Gespräch trifft, aus Angst…. Alleine im Aufzug mit einer Frau fährt auch nicht mehr jeder Mann.
    Ich denke es grenzt an Religionsersatz, was da im Moment geschieht. Z.B. hat man angedacht, Filmszenen mit rauchenden Personen rauszuschneiden usw. usw. Die Metoodebatte ist bei aller Berechtigung nichtdestotrotz Teil dieser Moralhysterie. Leia

  4. ina sagt:

    Bravo ! Du bringst einen neuen ganz wichtigen Aspekt in diese Debatte .

  5. manu sagt:

    anjalis 4-punkte-programm möchte ich voll unterstützen – aus eigener erfahrung in der familie, im bekanntenkreis. diese forderungen führen frauen aus der opferhaltung heraus, und das ist immer der bessere weg. er bringt augenhöhe. und darum geht es. im übrigen werden auch jungen wie männer von frauen missbraucht und die debatte müsste ebenso dahingehend ausgeweitet werden.
    wichtig ist, denke ich, ein genaues gespür dafür zu entwickeln, wo ein flirt aufhört und wo gewalt, machtausübung über eine(n) schwächeren(n) anfangen, wo frauen wie männer dieses spiel auch sehr bewusst spielen- aus karrieregründen zum beispiel. ist dann nur andere der täter?

  6. Joachim sagt:

    Kann Anjali als Mann nur zustimmen. Ergänzt werden müsste das 4-Schritte-Programm noch durch Verbot von Werbung mit Männern als Übermännern in allen klassischen Varianten. Auch das wirkt unterbewusst auf uns Männer und impliziert eine Rechtfertigung für das was hier zu Recht angeprangert werden soll. Da es in unserer heutigen Zeit oft an adäquaten Vorbildern fehlt, stellen Werbemodels einen gewissen Ersatz dar. Gegenentwürfe fehlen weitgehend bis ganz.

  7. anjali sagt:

    endlich schreibt ein Mann was dazu.
    So eröffnet sich eine neue Perspektve…die Debatte betrifft alle Geschlechter, und sie darf nicht damit enden, dass Frauen Listen anfertigen wann und wo und von wem sie sexuell anno dazumal belästigt wurden, (das ist nur ein Auslöser) – das ist nicht die Wurzel des Problems. Vielleicht ist es die Abwesenheit von Idolen, die nun Fotomodelle für Produkte übernehmen…natürlich prägt das Patriarchat verheerende Rollenmodele für Männer….

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